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Therapie des Kopfschmerzes
mit Homöopunktur
Bernd
Krautheimer
Kopfschmerzen und Migräne sind in
unserer Gesellschaft sehr weit verbreitete
Gesundheitsbeeinträchtigungen,
die nicht nur die persönliche Lebensqualität mindern, sondern auch
einen volkswirtschaftlichen Schaden durch Arbeitsausfall oder Leistungsminderung
der betroffenen Mitarbeiter verursachen, ganz zu schweigen von dem
gesundheitlichen Schaden, den sich die Betroffenen durch die langjährige
Einnahme von Schmerzmedikamenten häufig selbst zufügen. Ein grosser
Anteil der Dialysepatienten sind chronische Kopfschmerzkranke mit
jahrelanger analgetischer Therapie, ein Leidensweg, der im Nachhinein
gesehen vermeidbar gewesen wäre.
Wenn wir uns nun um Alternativen zu Schmerztabletten bemühen, übernehmen
wir zunächst eine grosse Verantwortung für den Patienten. Kranke
mit chronischen Kopfschmerzen, die über viele Jahre im Wesentlichen
unverändert immer wieder auftreten und sinnvollerweise möglichst
neurologisch abgeklärt wurden, sind zunächst die Patienten, denen
wir uns sofort widmen können. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn
die Kopfschmerzanamnese recht kurz ist, etwa nur ein Jahr oder
weniger und die Patienten nicht anderweitig fachlich durchuntersucht
sind. Vergessen wir nicht, dass ein Hirntumor, ein Gefäßaneurysma,
die Hypertonie, der erhöhte Augeninnendruck oder Glaukomanfall,
eine chronische Sinusitis, eine Mittelohrenentzündung, ein Infekt
oder eine Infektionskrankheit wie Meningitis hinter der Symptomatik
stecken könnten ebenso wie eine zervikale Spondylose.
Kopfschmerz bei Hypertonie
Kopfschmerz bei Glaukom
Kopfschmerz bei Meningitis
Bei der Betrachtungsweise der Kopfschmerzentstehung in der
Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) müssen wir uns vor Augen
führen, dass im Kopfbereich nur Yang-Meridiane verlaufen, in denen
Yang-Qi fließt. Kopfschmerzen entstehen in diesem Denksystem dadurch,
dass "das klare Yang nicht mehr zum Kopf aufsteigen kann"
bzw. "das trübe, verbrauchte Yang nicht absteigen kann".
Es ist also der Fluss der Energie in den Meridianen zum Kopf auf
irgendeine Weise behindert. Daran sind im Wesentlichen drei Ursachen
alleine oder in Kombination schuld:
Es kann eine pathogene Energie in Form von Wind, Kälte, Hitze oder
Nässe in das Meridiansystem oder in die Oberfläche (meist Nacken)
eingedrunngen sein und blockiert somit die körpereigene Qi-Zirkulation.
Der Anstau des körpereigenen Yang und die reaktiven Verdrängungsbemühungen
des Abwehrsystems verursachen dann die Schmerzen. Die Ursache ist
also eine "äußere Fülle".
Bei der "inneren Fülle" führen zumeist chronische emotionale
Belastungen wie Zorn, Ärger, Stress, Frust, Hass, Neid zu einer
Erhitzung des Leberyang, das dann zum Kopf aufsteigt und über eine
Leberyangfülle Kopfschmerzen auslöst, häufig pochend auf dem Schädeldach,
evtl. verbunden mit Hypertonie und Rötung der Augen. Chronische
Leber-Qi-Stagnation bedingt dann auch Blutstagnation (Ähnliche wie
das Schädeltrauma) mit schweren Kopfschmerzen (die Leber hat nach
TCM-Sicht die Aufgabe, das Blut und Qi gleichmäßig fliessen zu lassen).
Kummer, Sorgen, Grübeln, geistige Überforderung durch Lernen, Partnerschaftsprobleme
oder Mobbing führen über eine Schwächung der Milz-energetik zur
Ansammlung von Nässe und Schleim, die ebenfalls die körpereigene
Yang-zirkulation behindern. Hier handelt es sich in beiden Fällen
um Funktionsstörungen von Yin-Organen, die sich über Leitbahnen
der gekoppelten Yang-Partner und innere Meridianverläufe am Kopf
auswirken.
Kopfschmerzen vom "inneren Leeretyp" sind von einem Mangel
an Qi, Blut oder Nierenenergie ausgelöst. Nach der klassischen
Vorstellung kann das Yang nur ausreichend bewegt werden, wenn im
Körper die treibenden Kräfte, besonders das Qi, in genügender Menge
vorhanden sind. Durch geistige Überarbeitung nimmt das Milz-Qi Schaden,
durch körperliche Überarbeitung das Nieren-Yin-Qi. Auch übermäßige
sexuelle Aktivität und zu kalte, fette, milchreiche Ernährung zählen
nach der TCM zu schädigenden Faktoren der Milzenergie.
Damit wir ein klares Bild über die energetischen Zusammenhänge der
Meridiane am Kopf und die sich daraus ergebenden Therapiemöglichkeiten
auch über Fernpunkte gewinnen können, müssen wir die drei Energieumläufe
in ihrer Systematik verstehen. Die 12 Körpermeridiane sind in 3
"Umläufe" unter Beteiligung von 4 Meridianen aufteilbar,
wobei jeweils ein Paar Yin-Yang-Arm und ein Paar Yin-Yang-Bein einen
Umlauf bilden. Die Yang-Meridiane des Armes werden in der Nähe der
Sinnesorgane (Auge, Nase, Ohr) am Kopf umgeschaltet auf die Yang-Meridiane
des Beines, was bedeutet, dass im Kopfbereich sämtliche Yangmeridiane
sowohl der Arme als auch der Beine repräsentiert sind. Da die wichtigen
Steuerpunkte für den Qi-Fluss zwischen den Fingerspitzen und dem
Ellbogen-gelenk, bzw. zwischen den Zehenspitzen und dem Kniegelenk
liegen, ist es nicht verwunderlich, dass die besonders wirksamen
Punkte für die Kopfschmerztherapie nicht am Kopf, sondern an den
Händen und Unterarmen, bzw. den Füssen und Unterschenkeln liegen.
Die energetischen Umläufe. Ein Yang-Meridian des Armes und ein Yang-Meridian
des Beines bilden ein Längsachse am Körper( z.B. Tai-Yang-Achse
Dünndarm-Blase), ebenso bei den Yin-Meridianen (z. B. Shao-Yin-Achse
Herz-Niere). Die gekopplelten Yin und Yang Partner (z. B. Niere
und Blase oder Herz und Dünndarm) sind miteinander über die Luo-
und Quellpunkte quervernetzt. Somit kann eine emotionale Störung
der Niere (Angst) sich auf den Blasenmeridian energetisch schwächend
auswirken und Nackenkopfschmerzen ("Spannungskopfschmerzen")
auslösen, bzw. eine depressive Verstimmung mit Energieschwäche des
Herzmeridians ein Schulter-Arm-Syndrom mit Schmerzen im Schulterblattbereich
und Ellbogenschmerzen bedingen (Dünndarmmeridian).
Der Tai-Yang-Nackenkopfschmerz
Lokalisation des Tai-Yang-Kopfschmerzes
Die Region des Nackens wird energetisch von der Achse Dünndarm-Blase,
dem Tai-Yang versorgt. Diese Region ist besonders empfindlich auf
das Eindringen äußerer Windpathologien, die Kälte, Hitze oder Nässe
mit sich tragen. Typisch ist der steife Nacken durch Luftzug, wobei
besonders die Beugung und Dorsalflexion der Halswirbelsäule schmerzhaft
ist und der Schmerz sich über den Schädel im Verlauf des Blasenmeridians
nach frontal ausbreitet. Sind die Rotationsbewegungen stärker betroffen,
weist dies auf einen Befall des Gallenblasenmeridians hin.
Der Blasenmeridian wird in seiner Funktionsfähigkeit von der Energie
der Niere, dem Yin-Partner, genährt. Durch chronische existenzielle
Ängste z.B. um den Arbeitsplatz, die Wohnung, die Familie, die finanzielle
Sicherheit usw. wird die Niere ebenso geschwächt wie durch Überarbeitung,
wobei ein Qi-Mangel im abhängigen Blasenmeridian unter anderem zu
Spannungskopfschmerzen im Nacken führt. Aber auch Herzängste mit
Mutlosigkeit, Freudlosigkeit, Ziellosigkeit und einem Mangelempfinden
von Liebe und Zuwendung wirken sich negativ über den gekoppelten
Partner Dünndarm auf das Tai-Yang aus.
Die Therapie erfolgt über die Kardinalpunkte Dü 3 (schaltet das
Lenkergefäß, die Sonderenergiebahn der Rückenmitte ein, starke
spasmolytische Wirkung besonders auf die Nackenmuskulatur) und Blase
62 (entspannt die paravertebrale Muskulatur des gesamten Rückens).
Als lokale Punkte kommen Blase 10 und die Hua-Tuo Jiaji-Punkte zum
Einsatz. Bei schmerzhafter Rotation der HWS und einer vorausgegangenen
Windexposition ist die zusätzliche Kombination des Punktes Gb (Gallenblase)
20 zu empfehlen.
Als homöopathische Mittel können wir von Bryonia, Rhus toxicodendron
und Nux vomica besondere Erleichterung erwarten, wobei die Mittel
gezielt einzeln , aber auch in Kombination in einer Mischspritze
in die Akupunkturpunkte injiziert werden.
Therapie der Tai-Yang-Kopfschmerzen
Das Arzneimittelbild von Bryonia ist im Repertorium bei Kopfschmerzen
dreiwertig aufgeführt. Die Symptomatik ist gekennzeichnet durch
stechende Schmerzen bei der geringsten Bewegung und Verschlimmerung
durch Aufregung und Ärger. Der Bryonia-Patient leidet unter einer
starken inneren Reizbarkeit und Unsicherheit, er macht sich große
Sorgen um seine Zukunft und um seine finanzielle Sicherheit, er
leidet unter einer quälenden Angst vor Verarmung. Das Kopfschmerzbild
entwickelt sich gelegentlich zu einer linksseitigen Migräne, die
sich auf Druck und kalte Umschläge bessert.
Im Gegensatz zu Bryonia sind die Beschwerden bei Rhus toxicodendron
Folge von Kälte- und Nässeeinwirkung, werden durch Kälteanwendung
und Ruhe verschlechtert und bessern sich durch fortgesetzte Bewegung.
Der Patient ist höchst empfindlich auf Zugluft. Rhus tox. Ist bei
heftigen Schmerzen, als wolle der Kopf bersten und bei neuralgiformen,
reißenden Schmerzen angezeigt. Emotional ist der Patient sehr angespannt
und kann nur schlecht entspannen.
Der Nux vomica Typ ist ein reizbarer, jähzorniger, nervöser, hektischer,
geschäftiger Mensch, der seine Überarbeitung mit Nikotin, Kaffee
und Alkohol auszugleichen versucht. Schon am frühen Morgen hat er
schlechte Laune, besonders, wenn er lange und gut geschlafen hat.
Andererseits besitzt Nux vomica ein ausgeprägtes Pflichtgefühl und
eine hohe Arbeitsmoral, er arbeitet ehrgeizig, hart und fleißig.
Die Kopfschmerzen sind charakterisiert durch ein benebeltes Gefühl
im Kopf, Übelkeit und Brechreiz sowie neuralgische Empfindungen.
Es besteht eine außerordentliche Empfindlichkeit gegen Zugluft und
Kälte.
Der Shao-Yang-Kopfschmerz
Lokalisation des Shao-Yang-Kopfschmerzes
Der Drei-Erwärmer-Meridian und der Gallenblasenmeridian decken die
Schläfenregion und seitliche Schädelregion über dem Ohr ab. Auslöser
für Kopfschmerzen dieses Typs können äußere Wind-Kälte oder Wind-Nässe
sein. Da die Leber als Yin-Partner der Gallenblase diesen Meridian
energetisch mitversorgt, ist jedoch häufig Ärger, Zorn, Stress,
Aufregung, Hass und Streit Ursache für einen lateralen Kopfschmerz,
der sich bis zu einer Gallenmigräne auswachsen kann. Dann klagt
der Patient über ein Gefühl, als würde jemand mit der Faust von
hinten auf das Auge drücken.
Zur Therapie über die Shao-Yang-Achse wählen wir die Kardinalpunkte
3E5 und Gb 41. Dazu als lokale Punkte Gb 14 (Testpunkt für Gallenblasenerkrankungen),
Gb 8 und den Punkt Tai-Yang an der Schläfe. Übelkeit und Erbrechen
sind Zeichen der Mitbeteiligung von Milz und Magen und erfordern
evtl. zusätzlich die Punkte MP 6, KG 12 und Ma 36.
Therapie des Shao-Yang-Kopfschmerzes
Als geeignete homöopathische Mittel setzen wir ebenfalls Bryonia
oder/und Nux vomica ein, haben hier aber noch Berberis vulgaris,
Taraxacum und Sulfur zur Auswahl. Bryonia hat einen starken Bezug
zur Gallenblase, Nux vomica zur Magen-Darm-Energetik.
Berberis vulgaris ist zwar ein kleines Mittel, aber zur Beruhigung
von Reizzuständen der Leber, Galle und Nieren hochwirksam, besonders
im Zusammenhang mit einer Stoff-wechselübersäuerung (harnsare Diathese).
Im Kopf verspürt der Patient ein Völle- und Vergrößerungsgefühl,
allgemein findet er sich schwach und körperlich sowie geistig abgespannt,
wie zerschlagen.
Taraxacum (Löwenzahn) findet auch in der Volksmedizin Anwendung
als galletreibendes Mittel. In der Homöopathie ist es als Choleretikum,
als entzündungshemmendes Leber-mittel (Hepatitis), als Diuretikum
und als Antidiabetikum bekannt. Die Stimmung des Patienten ist reizbar,
apathisch, antriebslos, der Kopfschmerzcharakter drückend, betäubend
und stechend, begleitet von Brennen und Stechen der Augen sowie
einem Sandkorngefühl der Bindehäute.
Das große Polychrest Sulfur ist in der Leber ein wichtiger Vermittler
der Entgiftung und Ausscheidung über die Galle. Die Giftstoffe werden
als Schwefelester gebunden und so ausgeschieden. Aber auch für den
Blutfluss ist Sulfur (wie die Leber) wichtig im Sinne der Thromboseprophylaxe.
Im Zusammenhang mit Kopfschmerzen (typischerweise auch Scheitelkopfschmerzen)
gilt Sulfur als dreiwertiges Mittel. Dabei zeigt sich ein heißes,
rotes Gesicht mit Schwindel, Blutandrang und Blutwallung zum Kopf,
dazu Neigung zu Nasenbluten. Nachts im Bett juckt der ganze Körper,
die Füße sind heiß und werden herausgestreckt. Der Sulfurtyp will
bewundert werden, wie großartig er ist, dass er der erste und der
beste ist, damit sein Geltungsbedürfnis gestillt wird.
Der Yang-ming-Kopfschmerz
Lokalisation des Yang-ming-Kopfschmerzes
Der ventrale Energieumlauf wird von der Yang-ming-Achse mit den
Dickdarm-Magen-Meridianen sowie den gekoppelten Yin-Partnern Lunge
und Milz (Tai-Yin-Achse) gebildet. Charakteristisch sind frontale
Schmerzen im Stirn- und Gesichtsbereich in Verbindung mit Nebenhöhlenaffektionen,
also verbleibende äussere pathogene Wind-Kälte-Nässe Probleme. Aber
auch die emotionale Belastung der Milz mit Kummer, Sorgen, Partnerschaftsproblemen,
geistiger Überarbeitung und Mobbing führen über eine Minderung des
Milz-Qi zur Nässe- und Schleimansammlung im Gesichtsbereich mit
dumpfen, benommenen Kopfschmerzen im Yang-ming.
Die Hauptpunkte zur Behandlung der Yang-ming-Achse sind Di 4 und
Ma 36, also auf der einen Seite Ausleitungswirkung pathogener Energien
aus dem Gesicht und andererseits Stärkung der Mitte (Magen- und
Milzenergetik). Ergänzend sind die Punkte Lu 7 (Stärkung der Abwehrenergie),
Di 20 (Nasennebenhöhlen) und Yin Tang (an der Nasenwurzel, Meisterpunkt
für Nase und NNH) sowie Gb 12 (Spezialpunkt für Prozesse im Gesicht)
einsetzbar.
Therapie des Yang-ming-Kopfschmerzes
Aus homöopathischer Sicht sind zur Injektion in die Akupunkturpunkte
die Mittel Magnesium fluoratum, Sulfur, Nux vomica und Silicea geeignet.
Magnesium zeigt eine entgiftende Wirkung auf abgelagerte Erregertoxine
von Bakterien und Viren sowie auf Autotoxine nach abgelaufenen Infekten
im Nasenrachenraum. Fluor tonisiert und entblockt das toxisch belastete
und gealterte lymphatische System und Bindegewebe. Diese Kombination
ist besonders indiziert, wenn bei chronischen Sinusitiden cervicobrachiale
Schmerzsyndrome oder Ileosacralgelenksblockaden hinzukommen. Die
Patienten klagen bei Kopfschmerzen über eine Verschlimmerung morgens
nach dem Schlafen, aber auch nach dem Mittagsschlaf, Appetitlosigkeit
und Überlkeit, Schwindel und Benommenheit des Kopfes, wobei die
letzteren Symptome auf eine Milz-Qi-Schwäche hinweisen.
Sulfur kann besonders in der Übergangsphase vom akuten zum chronischen
Entzündungsstadium die Heilungsprozesse vorab in Gang setzten und
als Initialzünder für die Wirkung vom Magnesium fluoratum eingesetzt
werden.
Nux vomica haben wir schon als Mittel mit starkem Bezug zum Magen
bei höchster Kälte- und Luftzugempfindlichkeit kennengelernt.
Die Wirkung von Silicea (Kieselsäure) erstreckt sich hauptsächlich
auf das Bindegewebe, das reticuloendotheliale System und spielt
ein wichtige Rolle in der Aktivität der Bauch-speicheldrüse (Milz-Pancreas-Magen).
Bekannt ist der Einsatz bei eitrigen Prozessen der Schleimhäute
(NNH) und des lymphatischen Systems (peritonsillärer Abszess). Der
Silicea-Kopfschmerz ist gekennzeichnet durch einen Blutandrang zum
Kopf, als wolle der Kopf platzen, wobei Bewegung des Kopfes, Bücken
und Sprechen die Beschwerden verschlimmern. Der Schmerz setzt sich
über den Augen fest. Der Patient hat das Bedürfnis, den Kopf warm
einzubinden. Allgemein ist der Siliceapatient sehr lärmempfindlich,
reizbar, hat wenig Selbstvertrauen, schwitzt leicht am Kopf und
an den Füssen (sehr geruchsintensiv).
Kopfschmerzen bei energetischer Störung der Yin-Organe
Der Kopfschmerz bei Leber-Yang-Fülle
Lokalisation des leberbedingten Kopfschmerzes
Zorn, Wut, Ärger, Frust, Hass und Neid lösen in der Leber eine Stagnation
von Qi und Blut aus, die das Yang-Qi der Leber erhitzt und aufsteigen
lässt. Über Spannungsgefühl im Oberbauch, thoracale Beklemmung evtl
mit Herzklopfen, Globusgefühl im Hals steigt das Leber-Yang weiter
zum Kopf auf und löst einen pochenden Scheitelkopfschmerz aus.
Therapie des leberbedingten Kopfschmerzes
Zur Therapie muss die Leber über die Punkte Le 3 und Bl 18 (bei
heftiger Symptomatik auch Le 2, den ?Feuerpunkt?) mit Injektion
von Taraxacum und/oder Nux vomica sediert werden. Es hat sich bewährt,
dazu Ni 3 und Bl 23 (das Nieren-Yin kühlt die Leber) mittels Berberis
oder Solidago und He 7 mit Bl 15 (Stärkung des Herz-Yin) mittels
Crataegus mitzubehandeln.
Der Kopfschmerz bei Milz-Qi-Schwäche
Lokalisation des Kopfschmerzes bei Milz-Qi-Störung
Der Schmerz breitet sich bandförmig um den Kopf aus und ist geprägt
von Schweregefühl und dumpfem Schmerzcharakter. Dem Funktionskreis
der Milz obliegt die Verarbeitung und Verteilung des reinen Wassers
aus der Nahrung. Bei emotionaler Belastung mit Kummer und Sorgen,
geistiger Überarbeitung und Partnerschaftsproblemen können sich
über eine Funktionsschwäche der Milz Wasser und Schleim im mittleren
Erwärmer ansammeln und die Qi-Zirkulation im Magen- oder auch Gallenblasenmeridian
behindern. Der Patient hat zusätzlich zu seinen Kopfschmerzen eine
ausgeprägte Blähneigung und weiche, breiige Stühle. Am Zungenrand
finden wir Zahneindrücke.
Therapie des milzbedingten Kopfschmerzes.
Bei der Behandlung des milzbedingten Kopfschmerzes müssen wir die
wasserver-arbeitende Funktion der Milz stärken. Eichhornia crassipes
und Nux vomica sind hier wirksam besonders über die Punkte MP 3
(Quellpunkt), KG 12 (digestiver Alarmpunkt des Dreierwärmers) und
Bl 20 (Zustimmungspunkt). Über die Fernpunkte Lu 7 und Di 4 (Luo-Alarmpunkt)
können wir zusätzlich die Energiezirkulation im Kopfbereich befreien,
als lokaler Punkt eignet sich Ma 8 in den ?Geheimratsecken? (spezifischer
Punkt, um Nässe aus dem Kopfbereich zu befreien).
Der nierenbedingte Kopfschmerz
Lokalisation des nierenbedingten Kopfschmerzes
Die Niere regiert u.a. das Gehirn, das Rückenmark und die Zähne.
Der Kopfschmerz bei einer Störung der Nierenenergetik entsteht dadurch,
dass das geschwächte Nieren-Yin oder yang nicht zum Kopf aufsteigen
und das Gehirn nähren kann, der Schmerz wird tief drin im Gehirn
empfunden mit einem Leeregefühl und zeigt häufig eine Ausstrahlung
in das Zahngebiet. Ursachen sind chronische Existenzängste oder
körperliche Überarbeitung. Diese Art von Kopfschmerzen verschlimmern
sich durch sexuelle Aktivität.
Therapie der nierenbedingten Kopfschmerzen.
Therapeutisch hat vor allem Solidago (Goldrute) einen organotropen
Bezug zur Niere. Ni 3 (Quellpunkt), Bl 23 (Zustimmungspunkt) und
KG 4 nähren die Nierenenergetik zusammen mit einer Stärkung der
Mitte über MP 6 und Ma 36 (Energiegewinnung aus der Nahrung, Mittelwahl:
Nux vomica, Eichhornia) und einer Anregung der Energiezirkulation
im oberen Erwärmer über KG 17 und LG 20.
Diese Auswahl aus den vielfältigen Möglichkeiten, die uns die Homöopunktur
zur Therapie von Kopfschmerzen bietet soll eine Hilfe für den Einstieg
in die Materie darstellen. Es wäre vermessen, im dem uns hier zur
Verfügung stehenden Rahmen eine alles umfassende Darstellung bieten
zu wollen. Aber in der Einfachheit und Überschaubarkeit der hier
dargestellten Fälle sollte wohl auch ein Therapeut ohne intensive
Vorbildung in Akupunktur und Homöopathie die Zusammenhänge in seiner
Praxis nachvollziehen können. Wie schon Laotse sagte: ?Jede große
Reise beginnt mit dem ersten Schritt?.
Literaturverzeichnis
Maciocia G: Die Grundlagen der Chinesischen Medizin. Kötzting:
Verlag für Ganzheitliche Medizin 1994.
Maciocia G: Die Praxis der Chinesischen Medizin. Kötzting: Verlag
für ganzheitliche Medizin 1997.
Platsch K.-D.: Die fünf Wandlungsphasen. München: Elsevier urban
& Fischer 2005.
Mezger J: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre. Heidelberg:
Haug 1988
Servicekasten
Medikamentenliste (Sanorell Pharma GmbH & Co KG, Hurststr.
31, 77815 Bühl/Baden)
Bryonia D4, D8, D12 (Articurell, Gelenk-Spezifikum)
Berberis vulgaris D 4, D8, D12 (Berberell, Muskel-Spezifikum)
Crataegus D4, D8, D12 (Cororell, Herz-Spezifikum)
Acidum silicium, Silicea, D4, D8, D12 (Dermarell, Haut-Spezifikum)
Traxacum D4, D8, D12 (Hepatorell H. Leber-Spezifikum)
Strychnos nux vomica D4, D8, D 12 (Nuvorell)
Cimicifuga racemosa D4, D8, D12 (Ovarell)
Eichhornia crassipes D4, D8, D12 (Pancrearell)
Populus tremuloides D4, D8, D12 (Prostarell, Prostata-Spezifikum)
Grindelia robusta D4, D8, D12 (Pulmorell, Lungen-Spezifikum)
Solidago virgaurea D4, D8, D12 (Renorell, Nieren-Spezifikum)
Sulfur D8, D12 (Sulfurell)
Ausbildungsmöglichkeiten:
Sanorell Pharma GmbH&Co.KG, Hurststr. 31, 77815 Bühl/Baden Tel
07223/93370
Schwarzwald MedicalCenter Obertal, Zentrum für Innere Medizin, Umweltmedizin
und Naturheilverfahren, Rechtmurgstr. 27, 72270 Baiersbronn/Obertal
Tel 07449/84134
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